So. Noch einen Platz ergattert. Die Sitze, eigentlich das ganze Straßenbahninnere, erinnern mich immer wieder an moderne 60-er Jahre Plastikmöbel.
Schräg gegenüber von mir sitzt ein Mann.
Ich schätze er ist 27. Sicher ist er das, er sieht typisch 27 aus. Er sieht gut aus. Wie ein Segellehrer. Leicht gebräunt und blondes, kurz geschnittenes Haar, außerdem trägt er diese typische „auch bei Regen-und-Wind-noch-total-warm-Wetterjacke“ in blau. Das Blau steht ihm gut.
Er erinnert mich an den Typen aus meiner Lieblingswerbung „Keine Staus, keine Hektik, kein anderes Bier – Wie das Land, so das Jever“. Auch wenn der keine blaue Jacke trägt.
Huch, er schaut zurück. Schnell weggucken.
Vor mir sitzt ein etwas älterer, dicker Mann und isst. Der ist sicher kein Segellehrer. Weiter.
Neben mir sitzt eine sportlich angekleidete Frau Mitte 30. Ein Mauerblümchen.
Ein Blick aus dem Fenster: Immer noch Regen.
Warum habe ich eigentlich immer das Pech, dass es auf dem Rückweg regnet?
Ein unauffälliger kurzer Blick zum Segellehrer: Er sieht mich immer noch an.
Okay, meine Haare sind nass, meine Kleidung ist nass, ich bin also klitsch nass, aber du als Segellehrer siehst bestimmt nicht zum ersten Mal ein nasses Mädchen. Die fallen doch sicher extra vom Boot, um sich von dir wieder aus dem Wasser herausholen zu lassen, du starker Typ!
So stark wie du bist, hast du dir sicher ein eigenes Segelboot gebaut. Du hast sogar das Holz dazu selbst gefällt! Und angestrichen hast du es in blau.
Mich beeindruckst du damit aber nicht. Der Blick aus dem Fenster ist viel interessanter.
Na gut, das beeindruckt mich doch.
Bestimmt steigt er in Linden aus, da steigen die meisten aus. Jetzt sowieso.
Obwohl er nicht so aussieht, als ob er sich gleich ins Nachtleben stürzen würde…
Das sportliche Mauerblümchen steigt aus. Die Hose ist völlig unvorteilhaft. Da muss sie wohl noch paar Mal joggen…
Argh, er schaut mich immer noch an. Sooo spannend bin ich nun auch wieder nicht, auch wenn ich klitschnass bin.
Der Mann vor mir hat aufgegessen. Das waren bestimmt 600 Kalorien.
Wäre ich älter, würde ich den Segeltypen ansprechen. Doch so würde ich mich mit meinen jungen 15 Jahren nur lächerlich machen und das wollen wir ja nicht, schließlich bin ich Frau-von-Welt.
Der Segeltyp steht auf. Nein, steig nicht aus! Nicht hier – ich hab’s doch geahnt – in Linden.
Egal, würdige ihn keines Blickes mehr, du findest ihn uninteressant. Zumindest soll er das denken.
Haha, direkt vor der Straßenbahntür steht ein Laster.
Er lacht. Der Segeltyp hat gelacht!
Er findet das genauso lustig wie ich!
Er konnte trotzdem aussteigen.
Hm, schade…
Noch ein letzter Blick zum Segellehrer:
Er zwinkert mir zu und lächelt mich an!
Lacht er mich aus? Egal, auch ich kann mir kein Lächeln verkneifen.
Hach…
Die Bahn fährt weiter. Wir werden uns wohl nie wieder sehen. Was für ein Pech.
Und er weiß nicht einmal meinen Namen! Also wird er auch kein Segelboot nach mir benennen. Welch Tragödie…
”Keine Staus, keine Hektik, kein anderes Bier – Wie das Land, so das Jever”
schonmal drauf geachtet, dass er aus dem watt kommt und keine fußspuren hinterlässt (nur ab der stelle von der er kommt) es führen auch keine spuren hin !
„Wir werden uns wohl nie wieder sehen.“
Sehen wir uns nicht in dieser welt sehen wir uns in Bielefeld.
Man sieht sich doch immer zwei mal im Leben !
Aha…?!…